Zum achten Mal geerntet: Beim HACK AND HARVEST zählt, was zusammenwächst

10. Juli 2026 | | 4 Minuten Lesezeit

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Zwei Tage, eine glühend heiße Halle und 19 Ideen: Beim HACK AND HARVEST am 26. und 27. Juni 2026 in Konstanz kamen weider Menschen zusammen, die sonst selten gemeinsam am Tisch sitzen – Professionals, Gründer, Studierende und Unternehmer aus der Bodenseeregion. Seit 2019 ist der HACK AND HARVEST zu einem festen Termin geworden, auf den sich die Community jedes Jahr freut. Dieses Jahr fiel das Event auf eines der heißesten Wochenenden des Jahres, und die Hitze wurde schnell zum verbindenden Running Gag: Ein Team nannte sich kurzerhand „T67″, nach dem ICD-Code für Hitzschlag.

Zusammenarbeit statt vorgegebener Challenge

Der HACK AND HARVEST folgt dem Gedanken der Open Innovation: Kein Unternehmen gibt eine Aufgabe vor, es gibt keinen Wettkampf der Projekte gegeneinander. Vielmehr geht es darum eine Plattform für Menschen zu schaffen, die aus eigenem Antrieb an etwas arbeiten und die sich dabei gegenseitig weiterbringen. Am wichtigsten sind am Ende nicht die fertigen Prototypen, sondern die Begegnungen, die weit über das Wochenende hinaus tragen. Wer eine Idee mitbringt, pitcht sie am Freitag, danach finden sich die Teams.

Diese Haltung spiegelt sich auch im einzigen Preis: Die Mentoren vergeben die „goldene Ähre“ an ein Team – nicht für das beste Projekt, sondern für den Spirit und Zusammenhalt. In diesem Jahr ging sie an Team Guard, das ein Browser-Plugin gebaut hat, das mit einem Klick erkennt, ob ein Bild KI-generiert ist – und das komplett lokal im Browser läuft, also die Privatsphäre schützt.

Die zweite Person – und was danach kommt

Warum dieser Ansatz? Weil gute Ideen selten an ihrer Qualität scheitern. Sie scheitern daran, dass die passenden Mitstreiter fehlen – die „zweite Person“, die eine Idee ergänzt, hinterfragt und mitträgt. Genau die finden die Teilnehmer hier: an einem Wochenende, an dem aus einem Gedanken und den richtigen Menschen ein Projekt wird.
Und diese Co-Creation hört mit Ende des Hackathons nicht auf. Unterstützung gibt es direkt vor Ort sowie nach: Sechs Mentoren aus Wissenschaft und Wirtschaft standen den Teams zur Seite, Vogel & Partner bot Rechtsberatung.

Dass die Unterstützung über den Hackathon hinaus kein leeres Versprechen ist, zeigte in diesem Jahr ein besonders schönes Wiedersehen: Franka Drescher war im Vorjahr dabei und stellte ihr Projekt Fitnessduell erneut vor – diesmal ein gutes Stück weiter, weil die Idee im Jahr dazwischen mithilfe des Netzwerks weiterentwickelt wurde. So wird aus einem Wochenende ein roter Faden, der sich von Jahr zu Jahr weiterspinnt.

19 Projekte, die zeigen, was in zwei Tagen entsteht

Von KI-Werkzeugen über Cybersecurity bis zu Ideen für den Alltag: Die 19 Projekte zeigen, wie breit an diesem Wochenende gedacht wurde.

Sicherheit & Vertrauen

  • Guard (goldene Ähre) – Browser-Plugin, das mit einem Klick erkennt, ob ein Bild KI-generiert ist. Es kombiniert eine Metadaten-Prüfung (C2PA, EXIF) mit einem Computer-Vision-Modell, das komplett lokal im Browser läuft; der Code ist fertig, die Veröffentlichung in den Browser-Stores ist geplant.
  • SigXOS – Aus einem echten Startup: eine agentenlose Prüfung von Netzwerk-Konfigurationen von Routern, Switches und Firewalls gegen CIS-Regeln, die einen prüfbaren NIS-2-/BSIG-Nachweis als PDF erzeugt. Leitgedanke: Die KI erklärt und schlägt vor, entscheidet aber nicht – die Kontrolle bleibt beim Menschen.
  • Beacon – Liefert Einsatzkräften in Echtzeit die Antwort auf „Wer ist noch im Gebäude?“, über Computer Vision und Sensorik, ergänzt um ein prädiktives Modell zur Gefahrenausbreitung. Getrieben von einer EU-Vorgabe, nach der bis 2027 jedes Land ein solches System braucht.

Mobilität & Stadt

  • ClearRoute – Macht Fahrzeuge, die ohnehin durch die Stadt fahren, etwa Linienbusse, zum passiven Sensornetz für Straßensauberkeit. Ein feinjustiertes YOLO-Modell – trainiert auch auf eigenem Konstanzer Bildmaterial – erkennt Müll georeferenziert, zeigt Hotspots im Dashboard und plant per KI die Sammelroute; in rund 28 Stunden end-to-end gebaut.
  • Skatemap / „Konstanz auf Rollen“ – Ein grenzüberschreitender Routen-Guide fürs Inline-Skaten auf Basis offizieller Daten der Straßenbauämter Konstanz und Kreuzlingen. Die Website zeigt drei Routen mit Länge, Höhenprofil, POIs, Gefahrenstellen, Belag und Zeitraffer-Videos; ein One-Pager bittet die Stadt Konstanz, die Strecken offiziell auszuschildern (live unter konstanz-auf-rollen.de).
  • NavGuard – Eine Offline-Navigations-App für Android, die allein über Smartphone-Sensoren wie Gyroskop, Beschleunigung und Schritterkennung sowie lokale Checkpoints navigiert – ganz ohne GPS oder Mobilfunk. Der Proof of Concept lief bereits.

Gesundheit & Sport

  • BearFit – Gibt beim Training kamerabasiertes Feedback zur Bewegungsausführung: Übungen färben sich rot, wenn die Bewegung nicht stimmt, und Wiederholungen werden automatisch gezählt. Die Idee hat ihren Ursprung im Judo.
  • AfyaConnect – Eine App für mentale Gesundheit, die Menschen niedrigschwellig mit Fachleuten verbindet.

Software & Werkzeuge

  • HardwareCompiler – Aus gesprochener Sprache oder Text entsteht ein druckbares Bauteil („Bau mir ein Gerät, das …“). Dahinter steckt eine automatische Konstruktion in FreeCAD/Fusion360 mit Claude und Gemini; die Vision reicht bis zum Produktentwickler-Agenten und einem Maker-Kiosk.
  • T67 – „Schneller Überblick statt Hitzschlag“ – On-Premise-Tool für Arztpraxen und Kanzleien, das unstrukturierte Dokumente wie Briefe, Laborwerte und Scans nach Typ, Befundstatus und Zweck sortiert, passend zur ePA-Struktur. Ein Schichtenmodell hält die Kosten niedrig – nur etwa 15 % der Fälle brauchen die teure KI-Stufe, alles läuft lokal und DSGVO-konform.

Wirtschaft, Landwirtschaft & Umwelt

  • The Second Life of Plastic / Digital Product Passport – Ein EU-Produktpass, der per QR-Scan die vollständige Materialherkunft und Recyclingfähigkeit eines Produkts sichtbar macht. Angetrieben von der EU-Frist zum Digital Product Passport, mit einem Piloten beim Fahrradhersteller Muzzi Cycles und recycelten Rahmen.
  • FarmSignal – Hilft kleinen Landwirten, den Wert ihrer Ernte schon vor dem Verkauf einzuschätzen, indem es Wetter-, Satelliten- und Infrarotdaten mit den MATIF-Preisen der Pariser Agrar-Futures zusammenführt. Ziel ist eine bessere Verhandlungsposition gegenüber der Genossenschaft.
  • Fauna – Eine spezies-übergreifende KI, die Tierverhalten aus Live- oder Videomaterial erkennt und daraus Klartext-Alerts für Halter, Landwirte und Forschung macht. Der End-to-end-Prototyp geht von Video über Erkennung bis zur verständlichen Warnung – „one engine, three markets“.
  • StartApp – Bündelt den Weg in die Gründung auf einer Plattform: Geschäftsmodell, Anmeldung, Förder-Recherche und das Vorausfüllen von Formularen an einer Stelle.

Gesellschaft & Alltag

  • Boston-Pineapple – Ein Gesellschaftsspiel für faktenbasierte, wertschätzende Diskussionen, das mit einer Bierdeckel-Version einsteigt und als Kartenspiel weitergeht. Mit dabei sind Elemente wie die „Advocatus-Diaboli“-Karte, „Erklär’s einem Fünfjährigen“ und ein Wertschätzungs-Daumen; der Spielraum Bodensee begleitet es weiter.
  • MOSAIQ – Eine Plattform und zugleich ein physischer Ort, der zu einer Idee die passenden Mitstreiter zusammenbringt – Studenten, Forscher, Mitarbeiter und Organisationen. Das Projekt ist an der Universität Konstanz angesiedelt.
  • Barhopper – Zeigt standortbasiert und in Echtzeit an, wie voll die Bars in der Umgebung gerade sind.
  • Do by Two+ – Eine Plattform, die gemeinsames Planen von Aktivitäten mit Freunden aus dem Chatgruppen-Chaos holt und um eine private Bibliothek für Routen, POIs, Rezepte und Events ergänzt.
  • Lendly – Eine Verleih- und Leihplattform für die Nachbarschaft, bei der die Übergabe per Foto-Dokumentation des Zustands abgesichert wird.

Veranstaltet wurde der HACK AND HARVEST von cyberLAGO gemeinsam mit UfG e.V., Stadt Konstanz (farm / Smart Green City), CorrelAid Konstanz, Universität Konstanz, HTWG Konstanz. Unterstützt wurde das Event außerdem von Premiumpartner in-factory sowie zahlreichen, weiteren Partnern aus der Region.

Gefördert wird der HACK AND HARVEST im Rahmen des Digital Hub Bodensee vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.

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