„Wir sind Wegbereiter und Sprungbrett zugleich“

21. August 2019 | | 3 Minuten Lesezeit

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Mehr Mut zur Gründung — bei diesem Unterfangen will der PioneerPort, das Gründerzentrum der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, unterstützen. Wie die Unterstützung junger Gründer konkret aussieht, welche Start-up-Ideen bereits umgesetzt wurden und warum Erfolg und Scheitern oft zusammengehören, erzählt uns Sascha Schmidt vom Leitungsteam des PioneerPort.

Der PioneerPort hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studierende bei ihren Gründungsvorhaben zu unterstützen. Wie entstand die Idee, dieses Angebot zu schaffen?

Der Gedanke liegt nahe, denn die Zeppelin Universität versteht sich schon immer als Gründeruniversität. Immerhin trägt sie auch den Namen eines bedeutenden Pioniers: Ferdinand Graf von Zeppelin. Den Pioniergeist wollen wir auch bei unseren Studierenden wecken und fördern und sie bei ihren Gründungsaktivitäten unterstützen. Bevor der PioneerPort in der jetzigen Form etabliert wurde, gab es bereits eine Gründungsberatung, die den Studierenden eine erste Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Gründung bot und sie bei ihren Aktivitäten unterstützte. Dieses Angebot haben wir mit dem PioneerPort weiter ausgebaut und professionalisiert.

 

Wie sieht diese professionelle Unterstützung aus?

Der PioneerPort ist Wegbereiter und Sprungbett zugleich. Das heißt wir unterstützen die Gründerteams individuell bei ihren Vorhaben und geben ihnen das nötige Know-how weiter, sozusagen ein Toolkit, um mit ihrer Idee erfolgreich durchzustarten.  Unser Angebot umfasst dabei mehrere Bereiche. Das PioneerDeck ist die Co-Working Fläche des PioneerPort. Hier finden Gründer den Austausch zu Unternehmen. Der Shipyard des PioneerPort ist unser individueller Dienstleistungsbereich. Hier helfen wir bei allen Fragen zu Exist-Gründerstipendien oder Businessplänen und bieten Unterstützung rund um die Verbindung von Studium und Gründung. Außerdem bieten wir noch das RacingTeam-Programm an. Hierfür können sich Gründerteams bewerben, die in ihrer Konzeptionierung schon weiter vorangeschritten sind. Wenn sie die Experten-Jury von ihrer Geschäftsidee überzeugen konnten, stehen ihnen unter anderem auf dem PioneerDeck Arbeitsplätze zur Verfügung und sie profitieren außerdem von Beratung durch Experten sowie Unterstützung von Mentoren. Außerdem bieten wir ihnen Zugang zu einem großen Netzwerk.

 

Welche Rolle spielen Netzwerke für angehende Gründer?

Netzwerke und Vernetzung sind immens wichtig. Start-ups kommen durch Netzwerke beispielsweise leichter an Pilotkunden, mit denen sie ihre Ideen testen können. Auch der Know-how-Austausch ist ein wichtiger Teil eines Netzwerks. Als Mitglied von cyberLAGO haben wir eine zentrale Anlaufstelle für alle Themen rund um Digitalisierung, digitale Transformation und IT und können unsere Gründer mit den Digitalexperten in der Bodenseeregion zusammenbringen. Das ist ein großer Vorteil, vor allem dann, wenn es um die technische Umsetzung geht. Netzwerke stärken außerdem die Region und zeigen, welches Know-how vorhanden ist. Da es auch in unserem Interesse ist, dass die Gründerteams in der Region bleiben, ist ein breites und aktives Netzwerk hierfür sehr wichtig.

 

Wie entstehen die Gründungsideen der Teams? Kommen die Studierenden direkt mit einem ausgereiften Businessplan zu euch?

Es gibt natürlich einige Studierende, die sofort mit einer Geschäftsidee und den ersten Plänen zu uns kommen und gezielt Fragen stellen. Wir haben aber auch Angebote für diejenigen, die entweder nicht sicher sind, ob sie überhaupt gründen wollen, oder aber erst einmal ihr Wissen in Sachen Unternehmensgründung erweitern wollen. Denn wir wollen generell die Gründungsmotivation der Studierenden fördern, ihnen das nötige Wissen vermitteln, um erfolgreich zu gründen und Ideen keimen zu lassen. Die PioneerSchool veranstaltet gemeinsam mit der studentischen Gründerinitiative Tatendrang zum Beispiel eine Vielzahl von Veranstaltungen rund um das Thema Gründen. Im Format StartUpClass von Tatendrang werden außerdem Themen wie Businessplanerstellung bis hin zur Marktetablierung behandelt. Davon abgesehen arbeiten wir auch daran, das Thema Gründen grundlegend in unseren Studiengängen zu etablieren. Ein erstes Angebot ist hier zum Beispiel der Workshop „Mehrwertiges Unternehmertum.“

 

Mehrwertiges Unternehmertum – was ist damit konkret gemeint und warum ist das für den PioneerPort ein wichtiger Aspekt?

Wir möchten mit unseren Start-ups Lösungen für gesellschaftliche Problemstellungen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen bereitstellen. Dabei muss nicht zwingend die ökonomische, sondern kann auch beispielsweise die soziale, kulturelle oder ökologische Wertschöpfung im Vordergrund stehen. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in den bisher aus dem PioneerPort hervorgegangenen Start-ups wider: Die thematischen Schwerpunkte liegen auf Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Aspekten oder aber auch im Bereich Digitalisierung.

 

Welche Start-ups haben ihre Ideen erfolgreich umgesetzt?

Zu nennen wären hier beispielsweise GoodJobs, Parkpocket, knusperreich, DeinBus.de oder laketyre. Bei GoodJobs handelt es sich um eine Plattform, auf der Interessierte Jobs mit gesellschaftlicher Wirkung finden. Das Ziel von Parkpocket ist es, über ein innovatives Parkplatz-Sharing-Konzept Vermieter von Parkplätzen und potenzielle Mieter zusammenzubringen. Dieses Start-up ist inzwischen eine eigenständige Abteilung bei der Continental AG. knusperreich war der erste Online-Anbieter ofenfrischer Bio-Cookies in Deutschland. Unsere Gründer haben das Start-up inzwischen an mymuesli veräußert. DeinBus.de hat als erstes Unternehmen jenseits der Bahn ein Fernreise-Streckennetz durch Deutschland angeboten. Die Idee von laketyre ist der B2B-Handel mit Reifen und Felgen.

 

Nicht jede Gründungsidee wird am Ende zu einem erfolgreichen Start-up. Wie geht ihr mit dem Thema Scheitern um?

Scheitern gehört dazu. Das versuchen wir auch immer wieder klar zu machen. Die Gründe, warum ein Start-up scheitert, sind individuell. Manchmal spielen rechtliche Grundlagen und Datenschutz eine wesentliche Rolle, oft ist es auch ein Zeitproblem, da die Studierenden Studium und Gründung gleichzeitig nicht bewältigen können. Wenn eine Idee nicht klappt, ist es das Wichtigste weiterzumachen und aus seinen Fehlern zu lernen. Und wer seine Erfahrungen mit dem Scheitern mit anderen teilen möchte, kann das dann auch immer gerne auf der Fuckup Night tun, die cyberLAGO im September bereits zum dritten Mal bei uns an der Zeppelin Universität veranstaltet. Denn dort geht es genau darum: Öffentlich über das Scheitern zu sprechen, damit andere davon lernen können.

cyberHR