Wie beim Summer of Pioneers in Tengen innovative Projekte für die Gemeinde entstehen sollen

11. Juni 2021 | | 4 Minuten Lesezeit

Startseite » News » Wie beim Summer of Pioneers in Tengen innovative Projekte für die Gemeinde entstehen sollen

Tengens Bürgermeister Marian Schreier ist bekannt dafür, neue und innovative Projekte in Angriff zu nehmen. Eines davon ist der „Summer of Pioneers“, der zwanzig Kreative und Digitalarbeiter in die Region bringen soll. Sie sollen ab Juni 2021 sechs Monate lang in Schloss Blumenfeld wohnen, ihre Ideen für die Gemeinde einbringen – und gerne auch bleiben. „Das Projekt ist langfristig angelegt und hat zum Ziel, das Schloss dauerhaft nutzen zu können“, sagt Marian Schreier.

Marian Schreier Tengen

Marian Schreier, Bürgermeister der Stadt Tengen

Der Summer of Pioneers ist eine Initiative des Journalisten Frederik Fischer. Eine erste Ausgabe fand 2019 und 2020 im brandenburgischen Wittenberge statt und zog große Aufmerksamkeit auf sich. Fast die Hälfte der Kreativen blieb danach in Wittenberge und baute neue Projekte auf. Ein großer Erfolg, der auch für Tengen vorstellbar ist: „Das Projekt soll nicht nach sechs Monaten enden, sondern eher ein Startpunkt für weitere innovative Projekte sein“, sagt Marian Schreier. Er hat sich nach einem Gespräch mit Frederik Fischer entschlossen, mit Hilfe der Pioniere eine neue Nutzung für das 500 Jahre alte Schloss Blumenfeld zu finden, das zeitweise als Pflegeheim in Betrieb war, aber seit 2016 ungenutzt ist. Die Grundidee ist, dass zwanzig Menschen aus der Kreativwirtschaft ein halbes Jahr lang im Schloss wohnen und in einem Co-Working Space arbeiten, der im historischen Teil des Schlosses eingerichtet wird. Idealerweise erarbeiten sie Projekte, die auch für die Gemeinde Tengen interessant sind.

Beworben haben sich knapp über 80 Interessenten auf die 20 Plätze, eine „bunte Mischung, genau wie wir das wollten“, sagt Schreier. Die Kandidaten kommen aus Stuttgart, Berlin, aus der Schweiz und aus den verschiedensten Branchen: Webdesigner, Agenturchefs, Arbeiter aus dem sozialen und nachhaltigen Bereich sowie dem Mediensektor. Sogar altersmäßig wurde die angestrebte bunte Mischung erreicht. Von Studierenden und Menschen im Ruhestand ist alles vertreten. Sie finden in Tengen das, was Marian Schreier auch als Stärke des ländlichen Raumes bezeichnet: „Wir haben hier Ruhe, Natur, einen sehr hohen Freizeitwert und sind dennoch an zwei dynamische Regionen wie Konstanz und Zürich angebunden.“

Bei der Bewerbung wurde zwar jeweils ein Projekt kurz skizziert, aber noch nicht im Detail ausgearbeitet. „Uns ging es mehr darum, einen Eindruck zu erhalten, was sich jemand vorstellen kann. Da sind tolle Ideen dabei gewesen, von der Reaktivierung des Schlosscafés bis hin zu Digitalisierungsprojekten in der Verwaltung“, sagt der Bürgermeister.

Die Auswahl der Bewerber wurde von Marian Schreier, Frederik Fischer und dem Berater Wolfgang Himmel getroffen. Das Kriterium: eine Mischung an Teilnehmern, die Innovation möglich macht. „Nur wenn viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen, entstehen neue Ideen“, sagt Schreier.

So können ab 18. Juni 2021 zwanzig Frauen und Männer für ein halbes Jahr lang in Schloss Blumenfeld für 150 Euro pro Monat einziehen und prüfen, ob das Leben auf dem Land für sie geeignet ist. In dieser Zeit können Ideen für die zukünftige Nutzung des Schlosses entstehen oder Konzepte dafür entwickelt werden, feste Vorgaben für diese Projekte gibt es von Gemeindeseite aber keine. Es wird kein Projekt abgelehnt, auch wenn die Durchführung erst einmal nicht machbar erscheint: „Wir werden uns gespannt anhören, was die Pioniere für Vorschläge haben und unterstützen. Bei manchen Vorschlägen kann man einen Anstoß geben oder einen Kontakt vermitteln, das wird sich im Dialog mit den Pionieren finden“, sagt Marian Schreier.

Nutzungsprojekt für Schloss Blumenfeld

Das große Ziel ist aber, in sechs Monaten gemeinsam ein Nutzungsprojekt für Schloss Blumenfeld zu erarbeiten und es dauerhaft als Ort für Co-Living, Co-Working und Innovation zu positionieren. In Süddeutschland gibt es dafür im Gegensatz zu Nord- und Ostdeutschland noch kein vergleichbares Angebot. Das will Schreier ändern. Er sagt, dass man gerade in einer ländlich geprägten Region neue Wege gehen muss. „Wenn wir die Chancen der Digitalisierung hier nutzen wollen, dann braucht es neue Angebote, neue Wohnformen und neue Arbeitsformen.“ Diese wolle man mit dem Schloss bieten. „Wir alle konnten in der Pandemie beobachten, dass Arbeiten ortsunabhängig wird. Für viele Menschen ist es ausreichend eine gute Internetverbindung, einen Laptop und ein Handy zu haben. Das ist eine große Chance für den ländlichen Raum und genau diese Chance wollen wir mit den Pionieren für Schloss Blumenfeld nutzen.“

Widerstand gegen neue Projekte hat Schreier in Tengen bisher wenig gespürt: „Ich habe in meiner Zeit in Tengen die Bürgerinnen und Bürger als sehr offen und innovationsfreundlich erlebt. Letztes Jahr haben wir z.B. einen großen Beteiligungsprozess zum Thema Windkraft gemacht, eine gute Erfahrung für alle. In der Stadt gibt es eine Offenheit für Neues.“

Die Offenheit der Tengener soll auch beim Summer of Pioneers genutzt werden. Die Kreativen sollen im Schloss nicht vor sich hinarbeiten, sondern es sollen auch Bürger eingebunden werden und an Veranstaltungen teilnehmen. Auf diese Weise sollen langfristige Projekte idealerweise auch gemeinsam mit den Bürgern von Tengen entstehen.

Das Netzwerken und der Austausch ist Marian Schreier sowieso wichtig: so will man ganz bewusst die Vernetzung in der Region, zum Beispiel mit cyberLAGO, nutzen und digitale Veranstaltungen rund um den Summer of Pioneers anbieten, an der alle Interessenten teilnehmen können.

Unternehmen und Organisationen können sich gerne an die Gemeinde Tengen wenden, wenn sie im Schloss eine Veranstaltung organisieren oder Partner des Summer of Pioneers werden wollen.

cyberHR
cyberHR

Tags: