Startup entwickelt Algorithmus für 3D-Schnittmuster

30. Oktober 2020 | | 2 Minuten Lesezeit

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Das Startup OpenDress will Online-Händlern dabei helfen, ihren Kunden günstige, maßgeschneiderte Kleidung mit Hilfe von 3D-Scans anzubieten. Die Idee für das Projekt entstand im Open Innovation Lab (OIL) der HTWG Konstanz. Frauke Link arbeitete dort, Verena Ziegler führt Versuche an Nylonstrümpfen mit Druckern des OIL für ihre Promotion im Bereich „Interaction Design“ durch, die der Leiter des OIL, Prof. Oliver Fritz, betreut. Sie beide fragten sich: „Warum stellt eigentlich noch niemand maßgeschneiderte Kleidung mit Hilfe von 3D-Scans her?“. „Für biologische Körpermaße sind Normgrößen natürlich schwierig. Ich habe im bisherigen Verlauf unseres Projekts mit ganz vielen Personen gesprochen, die fast alle gesagt haben: ‚Mir passt nichts wirklich gut‘“, erzählt Frauke Link vom Startup OpenDress. Sich Kleidung bei Schneider*innen maßanfertigen zu lassen, ist aber teuer. Die Mathematikerin und Mitarbeiterin der HTWG Konstanz will gemeinsam mit Nico Brügel und Felix Hinderer, zwei Entwicklern von der Hochschule und der Uni Konstanz sowie Verena Ziegler, Doktorandin an der HTWG, Abhilfe schaffen.

Perfekt sitzende Kleidung mit Hilfe der 3D-Kamera am Smartphone

Bisher werden Schnittmuster üblicherweise nach einem 2D/3D-Verfahren produziert. „Das ist zwar inzwischen digitalisiert, die Muster werden aber immer noch zweidimensional erstellt, dann an ein Modell angelegt, um anschließend angepasst zu werden“, erklärt Frauke Link. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis das zweidimensionale Schnittmuster am dreidimensionalen Modell für eine Kleidergröße sitzt. Anschließend wird das Muster für alle weiteren Normgrößen skaliert.

„Bei mir sind bei Normgrößen aber zum Beispiel fast immer die Ärmel zu kurz“, sagt die Mathematikerin. Bei Kleidungsstücken, die mit Hilfe des 3D-Verfahrens von OpenDress hergestellt sind, ist das nicht der Fall. Ziel des Startups ist es, Online-Händler und Produzenten zu finden, die ihren Kund*innen für den Anfang ein Kleidungsstück anbieten, das sie mit Hilfe von OpenDress maßschneidern.

Nutzer*innen würden dann mit der 3D-Kamera ihres Smartphones einen 3D-Scan von sich anfertigen. „Diese Funktion haben zum Beispiel alle IPhones ab dem IPhone X“, erklärt Frauke Link. Die Entwickler von OpenDress haben in den vergangenen eineinhalb Jahren einen Algorithmus entwickelt, der mit Hilfe des Scans ein Schnittmuster berechnet.

OpenDress hat bereits Prototypen seiner maßgeschneiderten Kleidung produziert

Mit ihm könnten die Händler einfach und günstig Kleidungsstücke für ihre Kund*innen maßschneidern. „Da wir mit festen Stoffen ohne Stretch-Anteil arbeiten, wäre das erste Produkt, das wir in Kooperation mit einem Online-Shop anbieten könnten, zum Beispiel ein Hemd oder eine Bluse“, sagt Frauke Link. „Zusätzlich würden wir gerne anbieten, dass sich Nutzer*innen die Farbe des Stoffs aussuchen, Highlights wie andersfarbige Nähte setzen und die Länge oder die Form von Ärmeln und Kragen wählen können“, fügt sie hinzu.

Um das Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, hat OpenDress mit Hilfe der Startup-Initiative Kilometer1 einen Antrag für ein EXIST-Gründerstipendium gestellt. Seit August 2020 werden Frauke Link, Nico Brügel und Felix Hinderer von diesem Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt und können ihr Projekt so ein Jahr lang in Vollzeit bis zur Marktreife weiterentwickeln.“Kilometer1 hat uns auf unserem bisherigen Weg ganz großartig unterstützt”, erzählt Frauke Link. Die Startup-Initiative vermittelte den Gründer*innen von OpenDress zum Beispiel Ansprechpartner*innen aus der Wirtschaft in Konstanz. In Kooperation mit einem Atelier aus der Region hat das Startup bereits erste Prototypen aus seinen Schnittmustern hergestellt. Mit diesen Modellen können sich die Gründer*innen nun bei Händlern und Produzenten vorstellen.

cyberHR