Ein Schiff, drei Länder, rund 200 Teilnehmer – das war der Umma Hüsla Hackathon

28 Stunden: genügend Zeit, um einmal um die halbe Welt zu fliegen. Oder, um von Deutschland mit dem Auto in die Türkei zu fahren. 28 Stunden lang konnte man aber auch Teil des Umma Hüsla Hackathon 2018 sein und erleben, wie 30 spannende Projekte und Ideen entstehen.

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Der Umma Hüsla Hackathon, der vom Verein Plattform für digitale Initiativen aus Dornbirn initiiert wurde, fand 2018 bereits zum vierten Mal statt. Mit Unterstützung des länderübergreifenden Projekts Bodenseemittelstand 4.0., zu dem auch das digitale Kompetenznetzwerk cyberLAGO gehört, wurde der Hackathon in diesem Jahr auf den Bodensee geholt. „Die Idee dazu gab es schon länger“, so cyberLAGO-Geschäftsführer Tobias Fauth. „Dank des bodenseeumgreifenden Teams konnten wir sie nun gemeinsam verwirklichen. Der Austausch zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz war uns dabei sehr wichtig. Ein länderübergreifender Hackathon sollte es werden, der die Menschen auf dem Bodensee zusammenbringt, um Innovationen entstehen zu lassen.“

Was genau passierte beim Umma Hüsla Hackathon 2018? Ein kurzer Rückblick:

Freitag, 04.05., 12:30 Uhr, Hafen Bregenz

Das Boarding ist eröffnet. Bei bestem Wetter strömen die Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes mit Sack und Pack auf die MS Vorarlberg. Neben Bildschirmen, Laptops, Kabeln und weiterer technischer Ausstattung, die jedes Hacker-Herz höherschlagen lässt, findet auch der ein oder andere Schlafsack seinen Weg auf das Schiff. Der Gedanke an ein paar Stunden Schlaf wird offenbar nicht von allen Teilnehmern im Vorhinein ausgeschlossen.

Innerhalb weniger Minuten verwandelt sich der Innenraum des Schiffes in ein wahres Hacker-Paradies. Auf der MS Vorarlberg, die normalerweise Touristen über den See schippert, weht die nächsten 28 Stunden ein unbekannter Wind. Die Gruppen richten sich auf zwei Decks verteilt ein. Ein Bereich des Schiffes ist für die meisten allerdings tabu, denn dieser wird von den 14 Teilnehmern samt Betreuern des Umma Hüsla Kinderhackathon eingenommen. Jedes Land hat dafür ein Team aus 10- bis 13-Jährigen zusammengestellt. Ihre Aufgabe wird sein, ein Schiff größtenteils aus gesammeltem Müll zu bauen, welches bei der Fahrt auf dem See selbst Müll einsammeln kann. Dafür steht den kleinen Hackern einiges an Material, Werkzeug, Geräten und natürlich Müll zur Verfügung.

14:00 Uhr

Es heißt: Leinen los! Bei bestem Seewetter bahnt sich die MS Vorarlberg ihren Weg über den Bodensee Richtung Konstanz. Die UH18-Crew begrüßt alle Teilnehmer recht herzlich an Bord und wünscht gutes Gelingen, Inspiration, tolle Zusammenarbeit – und hoffentlich keine Seekrankheit. Inzwischen haben auch diejenigen, die ohne Team oder Idee an Bord kamen, ein Team gefunden.

17:00 Uhr

Mit Blick auf die vorbeiziehende Landschaft, die kleinen Örtchen und das glitzernde Wasser wird getüftelt und gebrainstormt, Köpfe werden zusammengesteckt, Ideen ausgetauscht. Auf dem Oberdeck beginnt das Tischfußball-Turnier. Eine entspannte Urlaubsatmosphäre legt sich über das Schiff, was dem Arbeitsfleiß der Hacker-Gruppen aber keinen Abbruch tut. Auch ein Blick zum Kinderhackathon zeigt: Hier wird schon fleißig an den ersten Prototypen gebastelt.

19:00 Uhr, Hafen Konstanz

Die Imperia ist in Sicht, das Schiff lichtet den Anker im Konstanzer Hafen. Mit Fahnenschwingern und Fanfarenzug vor dem Konstanzer Konzil wird der Umma Hüsla Hackathon empfangen. Stadtrat Dr. Matthias Schäfer begrüßt die Teilnehmer, Veranstalter und Gäste. Besucher und Presse betreten neugierig das Schiff und lassen sich von den Verantwortlichen Ideen und Projekte erklären. Manche Teilnehmer zieht es in den Baumarkt, um Material für den Bau eines Prototypen zu besorgen.

23:00 Uhr

Nach dem Abendessen wird es zwar etwas ruhiger auf dem Schiff, aber kaum leerer. Viele Hacker nutzen das Angebot und bleiben die Nacht über an Bord, um „durchzuhacken“. Andere fahren mit dem Shuttle der Stadtwerke Konstanz in eine nahegelegene Halle, wo Feldbetten bereitstehen.

Samstag, 05.05., 09:00 Uhr, Hafen Konstanz

Mit ein bisschen, wenig oder gar keinem Schlaf starten die Hacker in den zweiten Tag. Das Schiff legt ab und steuert die Schweiz an. Auch an diesem Tag strahlt die Sonne und zeigt den Bodensee von seiner schönsten Seite.

10:30 Uhr, Hafen Romanshorn

Der nächste Hafen wird angefahren: Romanshorn. Hier erwartet die Hacker ein Grußwort von Stadtpräsident David H. Bon, der sich ebenfalls begeistert zeigt vom Hackathon und von den innovativen Projekten an Bord, sowie ein reichhaltiges Mittagsbuffet bei Musik direkt am Hafen, um sich für den anstehenden Endspurt zu stärken.

15:00 Uhr

Bei einem Rundgang durch das Schiff zeigt sich: Die ersten Projekte stehen bereits. Das intelligente Hochbeet kommuniziert seinen Bedarf an Dünger oder Wasser und erklärt sein Wachstum; eine App stellt mit den vorhandenen Lebensmitteln in Kühlschränken Rezepte zusammen; der „magische“ Spiegel blendet bereits beim morgendlichen Zähneputzen die anstehenden Termine oder den Busfahrplan ein; Freundschafts-Tischlampen erhalten eine optimierte Steuerung für Helligkeit und Farbe, die Anleitung dafür soll später online verfügbar gemacht werden. Wie so oft bei einem Hackathon steht auch hier meist der Nutzen für die Allgemeinheit im Vordergrund.

Auch bei den Kindern hat sich einiges getan: Die gebauten „Müll-Schiffe“ werden zur Jungfernfahrt ins Wasser des aufgebauten Pools gelassen. Das Ergebnis? Ein voller Erfolg! Alle drei Schiffe schwimmen, lassen sich steuern und punkten durch kreatives Design. Kids und Betreuer sind begeistert, von allen Seiten gibt es reichlich Applaus.

18:30 Uhr, Abschluss in Bregenz

Projektleiter Thomas Egger von den Digitalen Initiativen und cyberLAGO-Geschäftsführer Tobias Fauth läuten die Abschlusspräsentation ein. Keine 28 Stunden, sondern lediglich 30 Sekunden Zeit hat nun jedes Team, um sein Projekt den anderen Teilnehmern vorzustellen. Dafür haben die meisten kurze Videos angefertigt. Jetzt wird erst richtig deutlich, was in den letzten 28 Stunden alles auf die Beine gestellt wurde: von Apps, die Sudokus mithilfe eines Algorithmus oder mit Augmented Reality lösen, über den Lebensqualität-Indikator für beliebige Standorte auf einer Landkarte, der einem wichtige Faktoren wie nahegelegene Schulen, Supermärkte, den Lautstärkepegel im ausgesuchten Stadtviertel u. v. m. anzeigt, bis hin zu einer automatischen Bildanalyse der Webcam der Autofähre Konstanz-Meersburg, welche zeigt, wann man am besten kommt, wenn man nicht lange warten möchte – um nur ein paar Beispiele der zahlreichen entstandenen Projekte zu erwähnen.

Am Ende sieht man in müde, aber glückliche Gesichter des Organisationsteams und der Teilnehmer. Alle sind sich einig: der Hackathon war ein voller Erfolg. Im nächsten Jahr wird es wieder einen Umma Hüsla Hackathon geben. Wo genau er stattfinden wird, ist noch unklar. Sicher jedoch ist: Der UH19 wird erneut ein Highlight in der Digitalregion Bodensee.